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Schön böse - der Redemption Arc am Beispiel von Peaky Blinders

Welche Entwicklung soll mein Protagonist durchmachen? Bei all den beliebten Klassikern gibt es auch weniger bekannte Varianten. Kennt ihr zum Beispiel den Redemption Arc? Sehen wir ihn uns mal am Beispiel von Thomas Shelby von Peaky Blinders an.



Ich weiß, viele sehen in Thomas Shelby aus Peaky Blinders einen Anti-Helden in Reinform ohne jede Läuterung - bis zum Ende der fünften Staffel mag das auch so gewesen sein. Doch dann wurde klar, auf was die Geschichte des großen Gangsters hinausläuft: den raffinierten Redemption Arc.

Zunächst eine kleine Zusammenfassung der Serie (Achtung, massig Spoiler): Thomas Shelby strebt von Anfang an nach Macht. Aber nicht, weil er sich für den Größten hält, sondern weil er als Kind einer Roma-Familie sein ganzes Leben lang Ausgrenzung und Gewalt erlebt hat. Nun will er durch noch mehr Gewalt und Unterdrückung dafür sorgen, dass seine Familie sicher ist. Dafür baut er seine Familie zu einer Gang, den Peaky Blinders, aus. Im Laufe der Serie und mit einem schwindelerregenden


Aufstieg bis in die höchste Politik verändert sich seine Position. Thomas Shelby muss nun auch seine Machtstellung innerhalb der Familie verteidigen. Außerdem wachsen seine inneren Dämonen. Er wird sich selbst zum größten Feind. Doch erst auf dem Höhepunkt seiner Macht erkennt er, dass Macht immer nur noch mehr Macht einfordert. Er beginnt, Frieden in sich selbst zu suchen.

Wird beim Redemption Arc der Held immer geläutert?

Thomas Shelby ist am Ende nicht der geläuterte Held, der bittere Tränen vergießt. Er bereut seine Taten nicht, aber er hält sie nicht mehr länger für das richtige Mittel. Das wird deutlich, als er das Leben eines letzten Widersachers verschont und auf einem weißen Pferd davonreitet, während sein altes Leben in Flammen aufgeht. Mehr Symbolismus zum inneren Wandel geht nicht, deshalb fällt seine Entwicklung für mich ganz klar unter den Begriff „Redemption Arc“.


Das ist ein innerer Wandel, der uns zutiefst fesselt, weil er unserer Sehnsucht Rechnung trägt, dass in jedem Menschen etwas Gutes steckt, zu dem er zurückfinden kann. Der Redemption Arc bedeutet konkret: Ein Charakter findet Erlösung von seinen Sünden und wird (mal mehr mal weniger) geläutert.

Ich persönlich liebe diesen Charakter-Bogen, weil er komplexe Charaktere erschafft, die häufig das Falsche tun, aber aus nachvollziehbaren Gründen.

Der Redemption Arc muss nicht die Hauptfigur betreffen

Der Redemption Arc kann den Antagonisten genau so betreffen wie den Protagonisten. Die Ausgangssituation ist nur eine andere. Der Antagonist steigt oft mit einer besonders bösen Tat in die Geschichte ein. Der Protagonist wird erst im Verlauf der Handlung extremer, bis er an seinem Tiefpunkt ankommt und die große Wandlung einsetzt.

Tommy Shelby beendet die Serie mit der Chance, ein besserer Mann zu werden. Ein wichtiger Aspekt des Redemption Arc fehlt allerdings in Peaky Blinders: die Vergebung, die Anerkennung des Wandels von der Außenwelt. Die könnte im geplanten Spin-Off-Film aufgegriffen werden, wenn der geläuterte Gangster-Boss auf die Faschisten losgeht.


Beispiele für bekannte Redemption Arcs

Beispiele für gelungene Redemption Arcs sind übrigens Jean Valjean in Les Miserables, Jesse Pinkman in „Breaking Bad“, Steve Harrington in „Stranger Things“, Negan in „The Walking Dead“ und natürlich Marvel’s Loki. Einsamer Anführer bei meiner Netzrecherche zum Thema Redempion Arc war übrigens Prinz Zuko von „Avatar the Last Airbender“, den ich selbst allerdings nicht gesehen habe.

So, nun haben wir uns eine ganze Weile mit Charakterentwicklung beschäftigt und den verschiedenen Bögen, die eine Figur in einer Geschichte schlagen kann.

Jetzt kannst du doch eigentlich loslegen: Erfinde eine Figur, gib ihr ein Ziel und eine Ausgangssituation und los geht’s! Oder … geht das auch alles einfacher?


Na klar, zum Beispiel wenn du mit bekannten Motiven arbeitest, nehmen wir etwa das Aschenputtel-Motiv. Die Plotstruktur ist wie ein Lückentext. Du musst nur noch ein paar Leerfelder mit Details füllen und schon hast du „Pretty Woman“ oder „Rocky“ oder „A star is born“. Oder etwa nicht? Ob Sylvester Stallone wirklich als Cinderella durchgeht, gucken wir uns beim nächsten Mal an.


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