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  • AutorenbildVera Zischke

Testleser: Über den Umgang mit Kritik

Irgendwann ist man für seinen eigenen Text blind. Testleser:innen können unwahrscheinlich wertvoll sein, um eine bessere Draufsicht auf seinen Text zu bekommen. Auch bei Hängern im Plot kann der Austausch helfen, um weiterzukommen und konsistente Figuren zu entwickeln. Aber Achtung, es gibt einen Unterschied zwischen fachlicher Kritik und persönlichem Geschmack. Dennoch: Ein Plädoyer für Testleser:innen.



(Foto: Anna Schwartz, annaschwartz.de)


Ich lese und höre immer wieder den Tipp für AnfängerInnen, man solle sein Manuskript bloß nicht zum Testlesen an Freunde oder Verwandte geben. Ich denke mir jedes Mal: Warum zum Henker nicht?

Wenn ich zum ersten Mal in meinem Leben etwas geschrieben habe und jetzt ein Stück meiner Seele auf Papier weiter existiert, was kann dann so falsch daran sein, wenn die allerersten Leser:innen Menschen sind, denen ich vertraue und die mich mögen?


Auch an Kritik muss man sich herantasten. Wäre das erste Feedback meines Lebens aus einem professionellen Lektorat gekommen, hätte ich damit vermutlich nicht umgehen können. Es hätte mich überwältigt. Heute empfinde ich es als professionelle Wertschätzung und Gründlichkeit, wenn ich viele Anmerkungen finde. Aber am Anfang?


Was erwartest du wirklich von Testlesern?


Man muss sich vortasten und wie fast alles im Schreibprozess ist auch das Geben und Empfangen von Feedback etwas, das man für sich passend machen muss. Was hilft mir wirklich? Was erwarte ich von Testlesern? Während der eine möglichst ungefiltert jeden noch so kleinste Gedanken hören will, schickt der andere einen Fragebogen mit.


In der AutorInnen-Ausbildung, die ich gerade absolviere, haben wir eine feste Regel für Testleser:innen: Wir fällen keine Urteile, wir stellen Fragen. Das ist wunderbar, vor allem weil es die Autor:innen ermächtigt und klar macht, wer der Experte für das Werk ist.


Außerdem trifft man sich so im Prinzip in der Mitte. Denn das Testlesen bedeutet ja in erster Linie herauszufinden, ob das, was die Autorin vorhatte, auch geglückt ist. Ist die Stimmung entstanden, die gewollt war? Wirkt die Figur so wie erwünscht? Löst der Plot-Twist das erhoffte Erstaunen aus?


Dieser Tipp an Testleser ist Gold wert


Ich habe neulich in einem Forum einen ganz wunderbaren Tipp gelesen. Dort wurde geraten, auch mal Bemerkungen an den Rand zu schreiben, wie: „Im Moment gehe ich davon aus, dass gleich yx passiert.“ Oder: „Ich frage mich, was xy in der Situation denkt.“ Dann weiß der Autor, welche gedankliche Reise man als Leser gemacht hat und kann überprüfen, ob er die Lesenden wie gewünscht am Haken hat.


Dazu gehört auch: Lob ist schön, aber so richtig hilfreich wird es auch noch, wenn es an Beispiel geknüpft ist, zum Beispiel: „Dieser Satz zeigt, wie gut du Körpersprache beschreiben kannst.“


Tipp an Testleser: Konkret sagen, was gut ist


Eines der schönsten Erlebnisse, das ich mit meinem Debüt hatte, war übrigens, als mir eine sehr geschätzte Leserin eine Liste mit ihren Lieblingssätzen aus meinem Manuskript schickte. Ich meine, sie hätte danach auch das ganze Ding auseinandernehmen können, ich hätte ihr verziehen. Allein zu wissen, dass sie sich die Mühe gemacht hat, schöne Sätze zu sammeln wie Kieselsteine am Flussufer, hat mich daran erinnert, warum ich nicht bloß für die Schublade schreibe.


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